Industrie 4.0 – Was bedeutet die Automatisierung für den Arbeitsmarkt?

Viele Unternehmen bereiten sich auf die nächste große Welle der Automatisierung und den damit verbundenen Chancen und Risiken vor. Sie hoffen, dass sich durch neue Technologien Aufgaben noch schneller, effizienter und vor allem günstiger erledigen lassen. Aber nicht alle sind von den Technologien der Industrie 4.0  überzeugt und blicken mit Skepsis in die Zukunft. Was bedeuten die Veränderungen für bestehende Arbeitsplätze ­­– und auch für junge Berufseinsteiger?

Deutschland laut OECD-Studie besonders von Automatisierung betroffen

Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit auch Forscher der Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD). Sie untersuchten in einer Studie, wie viele und welche Stellen in den Mitgliedsländern durch die Automatisierung tatsächlich wegfallen könnten. Nach neuesten Erkenntnissen sind insbesondere deutsche Arbeitnehmer von der neuen Digitalisierungswelle überdurchschnittlich stark betroffen, so die OECD.

Industriestruktur entscheidet über digitalen Wandel

Dass Deutschland besonders stark von der Digitalisierung betroffen ist, liegt laut Forschungsleiterin Glena Quintini vor allem an der Struktur der Industrie. Neben Deutschland seien unter anderem auch in Japan viele Veränderungen zu erwarten. Darüber hinaus sind es auch soziale Komponenten, die über die Möglichkeit der Digitalisierung von Berufen entscheiden:  Jobs, die ein hohes Maß sozialer Intelligenz beinhalten, wären schwerer durch Algorithmen zu ersetzen. Tätigkeiten, wie andere Menschen zu beraten, zu verhandeln oder anderen Menschen etwas beizubringen, sind in deutschen Jobs weniger präsent als im Durschnitt der anderen OECD-Länder.

Mehr Risiken als Chancen für den Arbeitsmarkt?

Ob sich diese Ergebnisse und Vermutungen wirklich in der Realität zeigen werden, hängt nicht zuletzt davon ab, wie Unternehmen mit der neuen Welle der Digitalisierung umgehen werden bzw. ob die Unternehmen in Zukunft wirklich alle technischen Möglichkeiten ausschöpfen werden.

Und nicht alle aktuellen Studien belegen, dass die Digitalisierung zu mehr Arbeitslosigkeit führen wird. Im Gegensatz zu den Zukunftsprognosen der OECD hat sich beispielweise das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim (ZEW) im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung für eine rückblickende Untersuchung entschieden. Das ZEW untersuchte, wie viele Jobs in den vergangenen Jahren durch die Digitalisierung tatsächlich weggefallen sind. Das Ergebnis ist verblüffend: Von 2012 bis 2016 wurden unterm Strich sogar mehr Arbeitsplätze durch die Digitalisierung geschaffen als reduziert.

Ob dieses Ergebnis jedoch wirklich auf die Digitalisierung zurückzuführen ist, sondern vielleicht auch dem Wirtschaftsboom der vergangenen Jahre zu verdanken ist, bleibt fraglich. Jedoch lässt sich ein ähnlich positives Ergebnis auch in Deutschland verzeichnen. Achim Berger, Präsident des Branchenverbands Bitkom, berichtet von 45.000 neuen Jobs in der IT-Branche im vergangenen Jahr.  Der Branchenverband gibt sich optimistisch und erwartet für das Jahr 2018 rund 42.000 neue Arbeitsplätze – ein durchaus positiver Ausblick.

Weitere Informationen über den digitalen Wandel finden Sie in unserem Beitrag Studie zum digitalen Arbeitsplatz: 3 Empfehlungen für Ihre Wettbewerbsfähigkeit.

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