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Welche Auswirkungen hat die Blockchain auf den Lebensmittelhandel?

Die Blockchain ist eine der aktuellsten und vielversprechendsten technologischen Entwicklungen unserer Zeit. Bislang sind es insbesondere große Unternehmen mit Pilotprojekten und Fachzeitschriften unterschiedlicher Branchen, die das Thema vorantreiben. Spätestens seit dem Projekt IBM Food Trust ist die Blockchain nun auch im Obst- und Gemüsehandel angekommen – aber dazu später mehr.

So funktioniert die Blockchain

Bei der (zu Deutsch) „Blockkette“ handelt es sich um eine fortlaufend erweiterbare Liste von Datensätzen, deren einzelne Informationsblöcke miteinander verbunden sind. Stellen Sie sich dazu eine Tabelle vor, die über ein Netzwerk zahlreicher Computer zugänglich ist, immer aktuell ist und in der alle Änderungen dokumentiert werden. Am Anfang der Kette steht ein „Schöpfungsblock“. Alle weiteren Blöcke werden chronologisch hinzugefügt.

Das Prinzip ist vielen Menschen von webbasierten Kollaborations-Tools bekannt, über die zum Beispiel mehrere Parteien gemeinsam Dokumente bearbeiten können. Im Gegensatz zu Online-Diensten ist die Blockchain jedoch keine zentrale Instanz. Die Datenhaltung findet auf jedem Computer des Netzwerks statt und nicht nur an einem Ort. Dadurch reduziert sich das Risiko von Manipulationen oder Beschädigungen erheblich.

Die Bafin beschreibt die Blockchain folgendermaßen:

„Blockchains sind fälschungssichere, verteilte Datenstrukturen, in denen Transaktionen in der Zeitfolge protokolliert, nachvollziehbar, unveränderlich und ohne zentrale Instanz abgebildet sind. Mit der Blockchain-Technologie lassen sich Eigentumsverhältnisse direkter und effizienter als bislang sichern und regeln, da eine lückenlose und unveränderliche Datenaufzeichnung hierfür die Grundlage schafft.“  (Bafin)

In der Praxis bedeutet dies, dass ein auf mehrere Teilnehmer verteilter Zustand durch jeden Teilnehmer verändert werden kann. Zum Beispiel durch den Transfer von Guthaben, der zu einem veränderten Kontostand führt. Dies ist vergleichbar mit einem Kassenbuch für alle Teilnehmer, in welches Einträge durch bestimmte Handlungen hinzugefügt werden.

Die in der Blockchain enthaltenen Informationen müssen sich keineswegs auf Finanztransaktionen beschränken. Ein Beispiel aus der Luftfahrtindustrie: Ersatzteile für Flugzeuge können nach ihrer Herstellung registriert werden. Sobald diese Teile eingebaut werden, können diese Informationen in einem weiteren Block gesichert und zur Verfügung gestellt werden. Auch später anfallende Reparaturen an den jeweiligen Teilen können auf diese Weise gespeichert werden. Alle Unternehmen, die in unserem Beispiel der Ersatzteile zusammenarbeiten, könnten so vom gleichen Informationsstand profitieren.

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Was hat die Blockchain mit Bitcoin zu tun?

Bitcoin ist ein Zahlungssystem, das erstmals im November 2008 von einer Person mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto beschrieben wurde. Mit Bitcoin wurde die erste dezentrale und digitale Währung, also eine Kryptowährung entwickelt. Die Blockchain bildet hierfür den technischen Rahmen, in ihr werden Bitcoin-Transaktionen verzeichnet. Wie bei der Blockchain ist auch für Bitcoin ein Internetzugang die Voraussetzung zur Teilnahme; es gibt keine geographischen Beschränkungen.

Wie beeinflusst die Blockchain Lebensmittelhandel und Landwirtschaft?

Vernetzung und Transparenz sind zwei der entscheidenden Faktoren, wenn es um den potenziellen Nutzen der neuen Technologie für die Landwirtschaft und den Lebensmittelhandel geht. Innerhalb der Blockchain können Informationen über Prozesse jederzeit nachvollzogen werden. Von der Herstellung eines Rohstoffs über den Transport bis zur Verpackungshistorie können also sämtliche Daten bezüglich eines Produkts gespeichert werden. Dadurch entsteht ein enormes Potenzial für die Lebensmittelindustrie.

Von der transparenten und vertrauenswürdigen Abbildung der gesamten Lieferkette vom Produzenten bis zu den Handelsketten versprechen sich Unternehmen Verbesserungen für die Lebensmittelsicherheit und -frische sowie ein reduziertes Verpackungsaufkommen. Ein weiterer potenzieller Vorteil: In der Blockchain sind Daten für die Teilnehmer eines Netzwerks ganz einfach zugänglich, immer aktuell und an einem Ort. Dadurch lassen sich auch Präzision und Effizienz im Arbeitsalltag steigern.

Projekte in der Praxis

Was für viele Unternehmen noch nach Zukunftsmusik klingt, findet bereits Anwendung in Pilotprojekten. Zum Beispiel bei IBM Food Trust. IBM hat mit mehreren internationalen Unternehmen der Lebensmittelbranche – darunter Dole, Nestlé, Unilever und Walmart – eine Blockchain-Kooperation ins Leben gerufen. Die geteilten Informationen dieses Netzwerks sind nur für ihre Teilnehmer zugänglich. Alle Daten werden verschlüsselt und können nur nach einer Berechtigung eingesehen werden.

Laut Marie Wieck, General Manager von IBM Blockchain, verändert Blockchain die Art und Weise der Zusammenarbeit gleichgesinnter Organisationen. Wie Sie in dieser Presseinformation mitteilt, ergibt sich durch die Blockchain ein „single view of truth“, also eine einzige Sicht der Wahrheit, welche das gegenseitige Vertrauen der Beteiligten einer Lieferkette steigere.

Während es beispielsweise bisher Wochen dauern kann, die Quelle von Lebensmittel-Verunreinigungen zu finden, könnten dafür zukünftig nur noch wenige Minuten oder Sekunden benötigt werden.

So sprach Frank Yiannas, Walmarts Vizepräsident für Lebensmittelsicherheit, Anfang dieses Jahres auf einer MIT-Konferenz darüber, wie mithilfe der Blockchain die Herkunft eines Pakets Mangos von einer Woche auf 2,2 Sekunden reduziert werden konnte.

„We really weren’t chasing blockchain, we were trying to solve a business problem.” (Frank Yiannis)

Infographic How Blockchain Could Mend our Fractured Global Food Supply Chain

Gerade weil die Lebensmittelindustrie komplex, und verteilt ist, sieht Yiannis Chancen in der Blockchain (ebd.). Dies liegt zum einen am dezentralen Aufbau der Blockchain selbst, zum anderen basiert die Technologie auf einem Konsensmechanismus, der zusammen mit der Unveränderlichkeit von Daten das Vertrauen unter den Teilnehmern der Lieferkette erhöhe.

Ausblick: Was kommt auf die Branche zu?

Alle Trends und Neuentwicklungen sind Skeptikern ausgesetzt. Selbstverständlich gilt dies auch für die Blockchain, denn für Anwender ist nicht nur das technische und unternehmerische Potenzial, sondern auch der rechtliche Rahmen entscheidend. Dieser lässt derzeit noch viele Fragen offen und dürfte gerade kleinere und mittelständische Unternehmen davon abhalten, in die Blockchain zu investieren.

Dennoch ist zu erwarten, dass die Blockchain die Branche verändern wird. Dies zeigt auch eine neue Studie mit dem Titel “Does blockchain hold the key to a new age of supply chain transparency and trust?“ des Capgemini Research Institutes. Das Ergebnis: Bereits bis zum Jahr 2025 könnte die Blockchain allgegenwärtig und massenkompatibel werden und sich weltweit auf Lieferketten auswirken.

Themen wie Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Datenverfügbarkeit sind für nahezu alle Unternehmen der Lebensmittelbranche schon heute hochaktuell. Hier zählen ERP-Systeme und Datenbanklösungen bereits zu den zentralen Instrumenten, um Produktinformationen unveränderbar und nachvollziehbar zur Verfügung zu stellen.

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Bilder: 892084164/istockphoto.com; https://newsroom.ibm.com/How-Blockchain-Could-Mend-Our-Fractured-Global-Food-Supply-Chain; https://www.computerworld.com/article/3309656/emerging-technology/qa-walmarts-frank-yiannas-on-the-use-of-blockchain-for-food-safety.html