Folgen der Pandemie

Wirtschaftliche Auswirkungen von Covid-19 – Folgen der Pandemie (Teil 2)

Interview mit George Brown und Dana Willmer

Die Konsequenzen der Pandemie sind fast in allen Branchen spürbar. Auch der Software-Sektor ist betroffen. Wir haben mit Dana Willmer und George Brown, Mitbegründer der Unternehmensberatung Partner Economics, über die momentane Rezession und ihre Studie über die wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 auf Microsoft-Partner gesprochen. Dieser Beitrag ist der zweite Teil des Interviews. Zentrale Themen sind:

  • Gewinner und Verlierer der Krise
  • Langzeitfolgen der Pandemie
  • Form und Timing der Erholung
  • überraschendstes Ergebnis der Studie
  • Danas and Georges Empfehlung für Unternehmen in diesen herausfordernden Zeiten

Wirtschaftliche Auswirkungen von Covid-19 – Folgen der Pandemie (Teil 1)

Wirtschaftliche-Auswirkungen-von-Covid-19Im ersten Teil des Interviews stellen Dana und George die Studienteilnehmer vor und verraten, wie sie die momentane Rezession einschätzen. Sie erfahren mehr über die finanziellen Auswirkungen der Pandemie und die Unterschiede zwischen Unternehmen und Branchen. Außerdem werden die Trends diskutiert, die durch die Pandemie verstärkt wurden.

Jetzt den ersten Teil lesen!

«Ich bin überrascht von der wirtschaftlichen Aktivität, die wir während der Pandemie aufrechterhalten haben»

Im ersten Teil des Interviews haben wir bereits über die finanziellen Folgen der Pandemie gesprochen. Wer sind denn die Gewinner der Krise?

George: Amazon und Walmart zählen eindeutig zu den großen Gewinnern. Ihr Umsatz und ihre Rentabilität sind gestiegen. All die Online-Kommunikationsplattformen haben große Gewinne erzielt, die sie nicht erwartet hatten. Microsoft hat wegen der Modernisierung von der Pandemie profitiert. Auch Leute, die ihr Unternehmen auf die Herstellung von Masken oder persönlicher Schutzausrüstung umgestellt haben, konnten strukturell von der Pandemie profitieren. Das heißt, es gab einige große und einige kleine Gewinner.

Was mir ganz besonders dramatisch auffällt, ist die Anzahl an kleinen Läden, die zu mieten sind. Ich glaube nicht, dass sie bald wieder besetzt sein werden. Wenn die staatlichen Hilfen enden, werden wir mehr Probleme haben. Zum Beispiel können die Regierungen die Fluggesellschaften nicht ewig finanzieren. Ich verstehe, dass wir unsere Luftfahrtinfrastruktur funktionstüchtig halten müssen. Aber brauchen wir so viele Airlines wie früher und müssen wir sie alle finanziell unterstützen? Ich bezweifle es.

Trotzdem bin ich überrascht von der wirtschaftlichen Aktivität, die wir während der Pandemie aufrechterhalten haben. Da gibt es auch ein gewisses psychologisches Bedürfnis. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich eine Weile nicht shoppen war, brauche ich eine Einkaufstherapie (lacht). Auf die Rezession bezogen hat uns das vor einer wirklich dunklen Depression bewahrt.

Was glaubst du, Dana?

Dana: Das Bedürfnis nach einer Einkaufstherapie kennt sicherlich jeder. Doch wir kaufen die Sachen anders. Wir gehen nicht mehr in den Laden, sondern online und kaufen dort. Das heißt, jeder der auf eine E-Commerce-Plattform umgestiegen ist und eine Marke mit Wiedererkennungswert hat, steht gut da. Wer hingegen auf Ebene des Einzelhandels von einem physischen Ort abhängt, um neue Umsätze zu erzielen, dem geht es schlecht.

Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es bestimmte Kernbranchen, wie z. B. die Lebensmittelproduktion und -verteilung oder finanzielle und staatliche Dienstleistungen. Diese Organisationen stehen durch Covid-19 nicht unter demselben finanziellen Druck wie andere Unternehmen. Bei ihnen besteht großes Interesse, Covid zu nutzen, um ihre zentralen Geschäftsprozesse zu optimieren, remote-freundlicher sowie sicherer zu gestalten und zu automatisieren, was sie können.

«Vor dieser Pandemie bestand die Tendenz, nicht zu glauben, dass Menschen remote arbeiten und produktiv sein könnten. Ich denke, wir haben mit diesem Mythos aufgeräumt»

Was sind die langfristigen Folgen der Pandemie?

George: Auf der positiven Seite werden die Regierungen in Zukunft besser reagieren. Das war ein Weckruf für die Welt. Ich glaube, dass Covid nicht unsere erste Pandemie gewesen ist. Wir werden weitere erleben, da die Bevölkerung wächst und wir weiterhin unsere Umwelt zerstören. Aber ich glaube, wir werden nicht noch einmal erleben, dass Ländern die persönliche Ausrüstung für Ärzte ausgeht. Das war absurd. Die Menschen werden verlangen, dass wir nicht wieder in diese Situation kommen.

Dana: Sicherlich ist die Infrastruktur, die die Remote-Arbeitskräfte unterstützt, eine positive Folge der Pandemie. Vor dieser Pandemie bestand die Tendenz, nicht zu glauben, dass Menschen remote arbeiten und dabei produktiv sein können. Ich denke, wir haben mit diesem Mythos aufgeräumt. Natürlich sehnen wir uns danach, uns wieder persönlich zu treffen. Und ich bin sicher, sobald wir können, wird es Konferenzen geben. Aber ich glaube nicht, dass es jemals wieder denselben Bedarf an Büroflächen geben wird wie vor der Pandemie.

Was uns zu den negativen Folgen der Pandemie bringt…

Dana: Die größte negative Konsequenz, die ich sehe, hat mit dem Drucken von Geld auf Regierungsebene zu tun. Kurzfristig ist das absolut notwendig. Man muss die Menschen durch die Krise bekommen. Doch in der westlichen Welt, besonders in den USA, haben wir schon eine sehr hohe Verschuldung im Verhältnis zur zugrundeliegenden wirtschaftlichen Produktivität. Letztlich müssen all diese Ausgaben aufhören. Aber wenn sie aufhören, wird das in einer Kombination aus erhöhter Inflation und erhöhten Steuern münden.

George: Ich denke, dass wir weltweit höhere Steuern haben werden. Doch wenn man die Steuern erhöht, reduziert man die diskretionären Ausgaben, was die Rezession verlängern oder ausdehnen wird. Folglich muss die Regierung aufpassen, wann sie die Steuern erhöht, weil das die Wirtschaft wieder bremsen wird. Also ist eine der Folgen der Pandemie, dass wir all das Geld zurückzahlen müssen, das die Regierung gedruckt hat. Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass wir nichts zurückzahlen müssen, wenn die Regierung Geld druckt. In Kanada hatten wir eine Verschuldung von etwa 10 oder 20 Milliarden. Jetzt sind wir bei 140 Milliarden. Bei nur 37 Millionen Einwohnern ist das eine große Summe.

Könntet ihr diesen Punkt näher erläutern?

Dana: Eine höhere Besteuerung beschneidet die finanziellen Möglichkeiten des Einzelnen. Daher wird sie sich auch auf die Verbraucherausgaben auswirken. Wenn man sich die industrialisierte westliche Welt anschaut, machen Verbraucherausgaben irgendetwas zwischen der Hälfte und drei Viertel der Gesamtwirtschaft aus. Das heißt, je mehr man den Menschen in Form von Steuern nimmt, sei es durch Inflation, die nur eine andere Form der Steuer ist, oder durch versteckte Steuern, egal wie man die Menschen besteuert, es bleibt ihnen einfach weniger Geld zum Ausgeben. Das Wirtschaftswachstum in der industrialisierten westlichen Welt wird künftig also auf jeden Fall gebremst werden.

George: Es wird 15 Jahre oder länger dauern, alles zurückzuzahlen, und das wird uns schwächen. Denken wir zum Beispiel an Spanien. Das Land hatte sich noch nicht vollständig von der Rezession im Jahr 2008 erholt, was die Arbeitslosenquote und die Produktivität anbelangt. Selbst 2019 lag die Arbeitslosenquote bei 20 %. Es könnte 20 Jahre brauchen, bis sie sich aus dieser Situation herausgearbeitet haben – wenn sie keine weitere Rezession haben.

Es ist eine komplizierte Formel für die Notenbanker. Denn um die Schulden zurückzuzahlen, möchte man eine gewisse Inflation haben, damit man sie in Zukunft mit weniger Dollars zurückzahlt. Außerdem wird es in der Europäischen Union natürlich besondere Folgen geben, weil manche Mitgliedsstaaten wirtschaftlich weniger stabil sind. Es wird also eine lange Belastungsprobe. Auf der positiven Seite haben wir kluge Leute, die uns dabei helfen werden, das Problem zu lösen. Aber es wird nicht einfach.

Folgen der Pandemie: k-förmige Erholung

Die Form der Erholung von Covid-19 wird vermutlich k-förmig sein. Je nach Branche erholen sich die Unternehmen unterschiedlich schnell und gut (Abbildung in Anlehnung an Dana Willmer und George Brown).

«Wir haben noch eine holprige Fahrt vor uns»

Wie wird die Erholung aussehen?

Dana: Wir glauben, dass es eine k-förmige Erholung sein wird. Einige Bereiche der Wirtschaft, zum Beispiel alles, was mit medizinischer Ausrüstung oder Remote-Arbeitsplätzen zusammenhängt, boomt bereits. Einige Büroberufe und Unternehmen, die zentral für die Wirtschaft sind, werden sich relativ schnell erholen.

Unternehmen, die stark Cashflow-abhängig oder fremdfinanziert sind, werden sich nicht erholen. Außerdem gibt es Wirtschaftszweige wie die Reise- und Tourismusbranche, die sich irgendwann erholen. Aber das wird sehr viel länger dauern. Wie lange die Rezession dauern und wie stark die Erholung ausfallen wird, wenn sie eintritt, hängt ganz davon ab, in welchem Wirtschaftsbereich man tätig ist.

George: Die Reisebranche wird sich nicht so schnell erholen, wie die Leute denken. Viele der Orte, zu denen wir reisen, sind Drittweltländer und die werden als letzte bei den Impfungen an die Reihe kommen. Ein anderer Bereich, den ich sehr genau beobachte, sind wohltätige Spenden. Ein ganzer Teil unserer Bevölkerung ist auf diesen kleinen Bereich angewiesen. In der Rezession wurde er sehr hart getroffen, weil die Menschen kein Geld überhaben, das sie spenden können.

Uns stehen weitere, heftige Turbulenzen bevor, während derer wir etwas mehr Volatilität im Markt haben. Ich glaube nicht, dass der Markt schon alles eingepreist hat, was mit dieser ganzen Rezession zu tun hat. Wir haben noch eine holprige Fahrt vor uns. Wir haben den Tiefpunkt noch nicht erreicht. Der Markt reagiert positiv auf den Impfstoff. Aber wir haben noch nicht gesehen, welche Auswirkungen es haben wird, wenn keine staatlichen Mittel mehr in den Markt fließen. Dann wird einiges ausfallen und wir werden etwas Volatilität haben.

Welches Ergebnis eurer Untersuchung zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 hat euch am meisten überrascht?

Dana: Bei mir waren es die Neueinstellungen. Etwa ein Viertel der Studienteilnehmer gab an, seit März Entlassungen vorgenommen zu haben. Das war zu erwarten. Im Prinzip ist das nur Haushalten, wie man es in jeder Rezession macht. Aber es gab auch viele Studienteilnehmer, die tatsächlich wieder neue Mitarbeiter eingestellt haben. Wir sind an dieser Stelle nicht ins Detail gegangen. Doch es liegt nahe, dass das mit der verstärkten Nachfrage nach allem, was mit dem Remote Workplace zu tun hat, zusammenhängt. Das heißt, die Leute stellen tatsächlich Personal ein, auch wenn sie gleichzeitig Mitarbeiter entlassen. Die Belegschaft und die Fähigkeiten, nach denen die Leute einstellen, verändern sich.

George: Die Neueinstellungen haben mich auch überrascht. Außerdem hat mich das Ausmaß einiger Umsatzeinbußen überrascht. Das hat nahezu alle Arten von traditionellen Partnern betroffen, die On-Premises oder gehostete Upgrades anbieten. Dabei dachten alle in unserem Ökosystem immer, dass dort der Sweetspot liegt. Doch in dieser Pandemie kam das mit kreischenden Bremsen zum Stillstand. Es überrascht mich nicht, dass die Kunden nicht mehr kaufen. Was mich überrascht, ist das Ausmaß, zu dem der Umsatz zum Teil eingebrochen ist.

Zusammenfassung von Danas und Georges Empfehlungen:

Strategic planning1. Fragen Sie sich, welche Veränderungen Ihrem Unternehmen schaden könnten.

2. Fragen Sie sich, welche neuen Möglichkeiten es gibt.

3. Investieren Sie 2 – 3 Tage pro Quartal, um über diese Fragen nachzudenken.

4. Als Microsoft-Partner: Stellen Sie Ihr Unternehmen auf ein Cloud-Modell um. 

Was würden Sie Unternehmen in diesen herausfordernden Zeiten empfehlen?

George: Was ich alle frage, ist: wann haben Sie sich als Unternehmen zum letzten Mal überlegt, was Ihnen das Genick brechen könnte? Man sollte immer die Veränderungen der Marktdynamik im Auge behalten, die dem Unternehmen wirklich schaden könnten und das durchdenken. Die meisten Unternehmen denken nicht über diese Frage nach oder widmen ihr nicht genügend Zeit. Darüber nachzudenken, was uns wirklich überraschen und schaden könnte, ist ein Teil der Gleichung.

Der andere Teil besteht darin, sich die Möglichkeiten vorzustellen, die heute anders sind als im vergangenen Jahr. Es überrascht mich immer wieder, dass Management-Teams nicht jedes Quartal extra zwei oder drei Tage investieren, um über diese beiden wirklich wichtigen Fragen nachzudenken. Immerhin haben sie eine Verantwortung gegenüber der Belegschaft, das zu tun.

Hätten wir uns überlegt, welche Überraschungen uns wirklich schaden könnten, hätten wir wahrscheinlich schon an eine Pandemie gedacht. Bill Gates spricht auf jeden Fall seit zehn Jahren darüber. Es ist nicht so, dass es nicht öffentlich gewesen wäre. Aber die Menschen werden von dem geblendet, was sie kurzfristig vor sich sehen können. Sie denken nicht an die anderen möglichen Dinge, die von der Seite kommen und sie wirklich treffen könnten, Dinge, die außerhalb ihres direkten Sichtfeldes liegen.

Was meinst du, Dana?

Dana: Ich würde hinzufügen, dass man sich als Partner, wenn man sein Unternehmen noch nicht auf die Cloud und die Realität der Remote-Arbeit umgestellt hat, wirklich ernsthaft bemühen und das jetzt angehen muss. Dabei muss man die Auswirkungen berücksichtigen, die die Umstellung auf ein Cloud-Modell in finanzieller Hinsicht mit sich bringt, insbesondere was mit dem Cashflow und der operativen Rentabilität passiert und wie viel Kapital man im Unternehmen braucht.

Vielen Dank, Dana und George, für diesen interessanten Einblick in eure Forschung. Wir sind schon gespannt auf eure nächsten Studien.

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