IoT – Was Sie über das Buzzwort wissen sollten

Die Technologie im Alltag

Montagmorgen, 8 Uhr: Sie stehen auf und der Kaffee ist bereits frisch zubereitet. Eier und Milch stehen für Ihr Frühstück im Kühlschrank bereit, denn dieser hat online für Sie eingekauft, als die Vorräte knapp wurden. Sensoren Ihres Armbands (auch Wearables genannt) stellen fest, dass Ihr Blutzuckerspiegel zu hoch ist, sendet diese Information an Ihren Hausarzt und koordiniert einen Termin für die nächste Woche. An diesem Morgen können Sie Ihre Tasche nicht finden? Kein Problem, Ihr Mobiltelefon hat die Positionsdaten für Sie gespeichert.

Intelligente Haushaltsgeräte (Stichwort Smart Home) und Anwendungsszenarien für den Alltag begegnen uns immer häufiger. Nicht mehr nur als vermeintliches Zukunftskonzept in den Medien, sondern vermehrt beim Kauf elektronischer Produkte. Und auch im Berufsalltag unterschiedlicher Branchen sind Geräte (sog. Devices), die selbstständig agieren und sich Situationen anpassen können, längst angekommen.

Bei der Vielzahl an neuen Entwicklungen kann es schnell zu Verwechslungen der Begrifflichkeiten kommen – denn in einer Zeit des Umbruchs ist das Internet der Dinge bei weitem nicht der einzige technologische Rahmen, der sich und uns bewegt.

So prägte eine Präsentation den Begriff IoT

Das Internet der Dinge bzw. Internet of Things (kurz: IoT) ist eines der im Kontext neuer Technologien aktuell am häufigsten verwendeten Schlagworte. Geprägt wurde dieser Begriff durch den Technologie-Pionier und Forscher Kevin Ashton. Der Brite verwendete den Begriff Internet of Things Ende der 90er-Jahre als aufmerksamkeitsstarken Titel einer PowerPoint-Präsentation, in welcher er Mikrochips als Lösung für die Lieferketten-Problematiken seines damaligen Arbeitgebers Procter & Gamble (P&G) vorstellte.

Mit seinem Vortrag konnte der damalige Junior Executive seine Vorgesetzten für sein Anliegen gewinnen. Und so erhielt er finanzielle Unterstützungen für Forschungen am renommierten Massachusetts Institute of Technology, wo er an einem internationalen Standard für RFID (radio-frequency identification) und andere Sensoren arbeitete. Er hielt seine Präsentation „The Internet of Things“ zudem viele weitere Male und gilt auch heute noch als einer der wichtigsten Experten für diesen Themenbereich.

Das Prinzip hinter den komplexen Anwendungen auf Basis von IoT fasst Ashton in einfachen Worten zusammen. Während Computer und Maschinen vor dem 21. Jahrhundert Informationen durch die manuelle Eingabe von ihren Nutzern erhielten, ist es nun möglich, dass sie die Welt um sich herum selbst verstehen können.

Gemeint sind damit internetverbundene Sensoren, die eine Wertschöpfung ermöglichen. Ashton wählt das Beispiel des US-amerikanischen Fahrdienstvermittlers Uber: Nur durch Smartphones bzw. ihre Sensorik ist das Unternehmen in der Lage, Fahrer und Fahrgäste mithilfe einer Software zusammenzubringen.

Kevin Ashtons Blick in die Zukunft? Das Internet der Dinge beschreibt er als 100-Jahre-Projekt, ohne linearen Verlauf, mit Auswirkungen, die nahezu in allen Bereichen Veränderungen mit sich bringen werden. Das Transportwesen wird, wie er im Videointerview äußert, als nächstes einer großen Disruption (also einer starken Veränderung / Verdrängung durch innovative Technologien) unterliegen – von selbstfahrenden Autos bis zu Nutzfahrzeugen. Dies wird, so der Experte, auch unsere Art Land zu nutzen und zu erschließen, stark verändern.

IoT – das gleiche wie …?

Auch wenn seit Ashtons Präsentation rund 20 Jahre vergangen sind: Eine allgemeingültige Definition für das Internet der Dinge gibt es bislang nicht. Dieser Umstand erklärt auch, warum es häufig zu Verwechslungen mit anderen Konzepten kommt, zum Beispiel:

  • Industrie 4.0: Dieser Begriff geht auf eine Forschungsunion und ein gleichnamiges Projekt in der Hightech-Strategie der deutschen Bundesregierung zurück. Unter dieser Terminologie wird die nächste industrielle Revolution vorangetrieben, die sich durch die intelligente Vernetzung von Maschinen und Abläufen in der Industrie auszeichnet (z. B. für einen optimierten Warenfluss oder wandelbare Fabriken für individualisierte Produkte). Die Auswirkungen auf unsere unmittelbare, physische Umgebung sind bei diesem Konzept sehr weit ausgeprägt.
  • M2M: Machine-to-Machine verknüpft Informations- und Kommunikationstechnik und bezeichnet den automatisierten Informationsaustausch zwischen verschiedenen Endgeräten (z. B. Maschinen oder Automaten im Transportwesen, der Gebäude- oder Energietechnik).
  • Web of Things: WoT beschreibt einen Software-Architekturstil bzw. ein Programmiermuster. So wie die OSI-Schichtarchitektur die vielen Protokolle und Standards des Internets organisiert, ist die WoT-Architektur ein Ansatz dafür, ein nützliches Framework für die Verbindung von Geräten und Objekten mit dem Web zu schaffen (Hinweis: Die Abkürzung OSI steht für Open Systems Interconnection Model – hierbei handelt es sich um ein Referenzmodell, mit dem sich die Kommunikation zwischen Systemen beschreiben und definieren lässt).
agiles Internet of Things

Quelle: iot-analytics.com

Vor dem Hintergrund dieser unterschiedlichen Technologie-Konzepte und -Reichweiten steht das Internet of Things für die mikroprozessgesteuerte Kommunikation (z. B. von Zuständen und Umgebungen) von Gegenständen über ein digitales Netz. Durch Prozessoren und eingebetteten Sensoren werden Alltagsgegenstände oder Maschinen dazu befähigt, via IP-Netz miteinander zu kommunizieren. Die automatische Identifikation mittels RFID wird häufig als technische Voraussetzung hierfür gesehen. Allerdings können Objekte auch mittels Strichcode oder 2D-Code identifiziert werden.

So stark ist IoT in den Unternehmen angekommen

Eine der aktuellsten Studien zu diesem Thema ist das weltweit durchgeführte IoT-Barometer 2019 von Vodafone. Dabei handelt es sich um die sechste Ausgabe der Studie seitens des Mobilfunkunternehmens. Sie bestätigt vor allem eines: Es sind nicht nur innovative Start-ups, die sich mit IoT beschäftigen und die Vorteile dieser Technologie ausschöpfen wollen. In den letzten Jahren haben auch Konzerne und mittelständische Unternehmen vermehrt gezeigt, dass sie das Potenzial – wenn nicht sogar eine Notwendigkeit – in der IoT-Implementierung sehen. Einige der spannendsten Studienergebnisse im Überblick:

  • Über ein Drittel (34 %) aller Unternehmen nutzen bisher IoT. Dies bedeutet eine Zunahme von 5 % im Vergleich zum letzten IoT-Barometer.
  • Zu den Branchen mit den größten Zunahmen zählen Transport und Logistik (von 27 % auf 42 %) sowie das produzierende Gewerbe (von 30 % auf 39 %).
  • Im Vergleich zum Vorjahr investieren 75 % der Einzelhandelsunternehmen stärker in IoT. 73 % haben mehr aktive IoT-Projekte und 77 % haben den Umfang ihrer IoT-Projekte ausgeweitet.
  • Knapp die Hälfte (49 %) der befragten Organisationen mit 1.000 oder mehr Mitarbeitern geben für ihre IoT-Investitionen bedeutende Investitionsrenditen an. Die Zahlen sind bei KMU mit weniger als 250 Mitarbeitern noch beeindruckender – mehr als die Hälfte (57 %) gibt an, deutliche Vorteile zu erzielen.
  • Im produzierenden Gewerbe stieg die IoT-Nutzung von 30 % auf 39 %. Knapp die Hälfte (49 %) der IoT-Nutzer in diesen Branchen befindet sich in der Gruppe mit dem höchsten Entwicklungsgrad.
  • Von allen Regionen war der Anstieg in Nord- und Südamerika – von 27 % auf 40 % – am höchsten.
  • Die EMEA-Region belegt in Bezug auf den Entwicklungsgrad der IoT-Nutzung den letzten Platz.

Auch zu den Vorteilen wurden Unternehmen weltweit befragt. Angegeben wurden unter anderem niedrigere Betriebskosten, eine bessere Erhebung genauer Daten/Erkenntnisse, die höhere Produktivität der Mitarbeiter und die Steigerung bestehender Umsätze.

Fazit

Ob Fahrzeuge, Gebäude, Haushaltsgeräte oder Maschinen: Das Anwendungsspektrum von IoT ist riesig und wirkt sich sowohl auf den privaten, als auch auf den geschäftlichen Sektor aus. Prozesse einfacher und effizienter zu gestalten kann dabei ebenso eine Rolle spielen, wie mit neuen Produkten Geschäftsfelder zu entwickeln – oder Alltägliches schlichtweg leichter zu machen. Besonders in den letzten Jahren zeigten sich erste Erfolge bei der Realisierung von IoT-Projekten durch die Ausstattung von zahlreichen Objekten mit Embedded Prozessoren.

Es bleibt also spannend: Die Vodafone-Studie bestätigt den Eindruck, den viele Konsumenten inzwischen haben dürften. IoT ist ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden. Weiter beschäftigen werden uns neben rasanten technologischen Entwicklungen aber auch Risiken, der Schutz unserer Daten und die Ziele, die sich durch die technischen Möglichkeiten erreichen lassen.

Nicht zuletzt ergeben sich durch das Internet der Dinge große Chancen für Unternehmen. Die Möglichkeiten, eine tragfähige IoT-Strategie aufzusetzen und gewinnbringend zu nutzen, sind heute so gut wie nie zuvor. So, wie fast jeder heute Anwendungen ganz selbstverständlich (zum Beispiel mit seinem Mobiltelefon) in der Cloud nutzt, wird das Internet der Dinge in einigen Jahren kaum noch aus dem Geschäftsalltag wegzudenken sein.