Microsoft Dynamics 365 Business Central

Experten-Beitrag von Christian Sega

Über den Autor:

Christian Sega ist seit mehr als 20 Jahren im Microsoft Dynamics Geschäft tätig, Geschäftsführer der agiles Gruppe und Chairman der Microsoft-Partnerkonferenzen Directions EMEA und Directions ASIA. Er ist Experte in den Bereichen Strategie und internationales Geschäft sowie Vertrieb und Marketing. Zudem ist er Mitglied des renommierten Microsoft Business Circle.

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Meine Gedanken rund um Microsoft Dynamics 365 Business Central und die Zukunft der Navision Partnerlandschaft

Nach aufregenden und spannenden Tagen auf der Directions ASIA bin ich seit ein paar Tagen aus Bangkok zurück und habe so viele Gedanken in meinem Kopf, dass ich es für wichtig hielt, diese aufzuschreiben und mit Ihnen und euch zu teilen. Zunächst muss ich sagen, dass ich sehr optimistisch in die Zukunft blicke und ebenfalls äußerst gespannt bin auf die kommenden Monate und die von Microsoft Corp. unlängst angekündigten Weiterentwicklungen.

Was sind eigentlich die Neuigkeiten?

Die ERP-Software Navision (Microsoft Dynamics NAV) hat bereits einen weiten Weg hinter sich und ist nicht nur seit über 31 Jahren (!!) sehr erfolgreich am Markt, sondern bedient heute über 160.000 Kunden mit mehr als 2,7 Millionen Nutzern auf der ganzen Welt. Auf der Directions ASIA kündigte Microsoft Corp. mit Microsoft Dynamics 365 Business Central (MSDyn365BC) ein Universum von z.T. neuen ERP-Features und -Funktionalitäten an – mit Plattformerweiterungen und neuen Integrationsszenarien, die schneller expandieren als je zu vor. Wenn Sie mich fragen, dann lautet meine Antwort: „Endlich!“. Unsere Branche ist so unfassbar schnelllebig und die digitale Transformation schreitet schneller voran, als uns teilweise recht ist. Hierbei ist es wichtig, stets am Ball und „up-to-date“ zu bleiben!

Die Strategie von Microsoft Corp. bestand seit der Übernahme der damals eigenständigen ERP-Lösungen im Jahre 2002 darin, den Kunden Optionen für eine ungestörte (Weiter-) Entwicklung der eigenen Lösungen auf der Navision-Software-Plattform zu bieten. Hierbei gab es in den vergangen 11 Jahren jedoch einige Widersprüche und Konflikte. Glücklicherweise sind diese Zeiten m.E. nun vorbei. Die Zukunft ist da und geht in Richtung kontinuierlicher Updates anstelle von langen Updateprojekten mit unzähligen Unterbrechungen und sich konterkarierenden Richtungsänderungen. Um von diesen positiven Entwicklungen zu profitieren, ist es jedoch wichtig, alle bestehende Navision-Kunden auf den neuesten und aktuellsten Stand der Technologie zu bringen.

Was genau bedeutet „aktueller Stand“?

Aktuell bedeutet, auf der neuesten Version von Microsoft Dynamics NAV zu sein und das neueste, sog. kumulative Update im Einsatz zu haben. Sie fragen sich vielleicht, wie viele Kunden der agiles-Gruppe sozusagen „aktuell“ sind. Es sind Null! Keiner unserer Kunden ist auf dem aktuellen Stand. Wir haben jedoch eine Strategie, um unsere Kunden auf den neuesten Stand zu bringen, und das ist unser „Abonnementmodell“. Es entlastet den Kunden und lässt die agiles als Lieferanten für unsere Kunden zum „Verwalter“ der entsprechenden Kundendatenbank werden. Durch das sog. „kontinuierliche Upgrade-Abonnementmodell“ sind wir künftig in der Lage, schnelle, technische Entscheidungen zu treffen, wenn Microsoft Corp. seine Technologie(-Plattform) erneut aktualisiert. Wir sind somit auch in der Lage, die Datenbanken unserer Kunden so effizient und schnell wie möglich in den neusten (technischen) Zustand zu versetzen, ohne endlose Vorverkaufs- oder Nutzenargumentations-Gespräche für das Für oder Wider eines Upgrades führen zu müssen. Sobald wir einen Kunden an den Punkt gebracht haben, an dem er sich in einem kontinuierlichen Upgrade-Modus befindet, nennen wir das einen „Utopia“-Client. Dies entspricht der Upgrade-Vision von Microsoft Corp.: Upgrades nach Belieben, wobei alle Kunden immer auf dem neuesten Stand der Technologieplattform Microsoft Dynamics NAV (neu Microsoft Dynamics 365 Business Central) sind.

Schluss mit umfangreichen Upgrades!

In den letzten drei bis fünf Jahren kamen 80% unserer Upgrade-Projekte aus der sog. Classic-Welt. Das bedeutet, dass einige Kunden 7 bis 10, gar 15 Jahre mit einem Upgrade auf eine neuere NAV-Version gewartet haben. Ihre NAV-Systeme sind nahezu historisch in den Zeitrechnungen, gemessen an den Standards unserer Branche – der IT. Mein Ehrgeiz ist es künftig nicht (mehr), in ein Geschäftsmodell von Upgrade-Projekten einzusteigen – ganz im Gegenteil. Ich stelle mir einen Tag vor, an dem sich alle Kunden auf einem kontinuierlichen Upgrade-Pfad befinden, der einfach passiert. Keine langen Diskussionsrunden, keine Vorverkaufsargumente zum ROI, keine endlosen Testphasen. Nach meiner Vorstellung wird es das Geschäftsmodell der Upgrades und damit der endlosen Services orientierten Projekte wie sie in der jetzigen Form existieren in Zukunft so nicht mehr geben.

Verabschieden wir uns von der Vergangenheit

Ein umfangreicher Wandel entsteht meist nur, wenn man – oft bedingt durch äußeren Druck – gezwungen ist, sich zu verändern. Ich bin normalerweise kein Fan von zu vielen Optionen in einer Wandlungsphase bzw. Übergangszeit. Schauen wir uns das an einem konkreten Beispiel an: Als der sog. rollenbasierte Client (Role Tailored Client; kurz: RTC) vor gut 10 Jahren das erste Mal vorgestellt und später in der Version NAV 2009 R2 eingeführt wurde, gab Microsoft Corp. den Kunden die Möglichkeit an die Hand, die Masken (Forms) sowohl im sog. RTC-Modus als auch als im damals vorherrschenden Classic-Modus zu verwenden. Viele Kunden wählten weiterhin die sog. klassische Oberfläche, andere bereits den RTC. Einige Kunden entschieden sich jedoch für beides und das war aus vielen Gründen eine schlechte Idee, nicht zuletzt wegen der vielen technischen Implikationen und Unzulänglichkeiten, die es damals in der NAV 2009 R2 Version gab. Es verursachte nicht nur mehr Arbeit bei zukünftigen Upgrades, es verewigte sich auch ein Muster des Festhaltens an der Vergangenheit („… mit dem Classic-Client war alles besser“). Diese Beobachtung gilt im Übrigen für die NAV Partner (die NAV vertreiben) als auch die Kunden selbst, die i.d.R. auf die Beratung Ihrer Lieferanten in technischen Fragen angewiesen sind, gleichermaßen. Ich bin kein Fan davon, an der Vergangenheit festzuhalten, und ich habe oft gesehen, wie sie in Unternehmen nicht nur Störungen hervorruft, sondern vor allem auch Geld und kostbare Zeit kostet.

Navision war sein eigener „Feind“, sozusagen Opfer seiner selbst

Navision war gewissermaßen sein eigener schlimmster Feind. Der Classic Client war (so) gut, so dass (fast) niemand ohne ihn in die Zukunft gehen wollte. Der Classic Client lebt bis heute und C/AL (die Programmiersprache in der integrieren Entwicklungsumgebung von NAV) ist immer noch gut. Tatsächlich verwenden wir es immer noch zu über 90% für unsere Entwicklungsumgebung (eigene Erfahrungen und Beobachtungen). Das ist unsere Realität als getreuer Partner von Microsoft Corp., und niemand stellt sie (die Entwicklungsumgebung) in Frage – aber diese so geliebte Entwicklungsumgebung ist einfach nicht (mehr) modern und „state-of-the-art“. Es ist Zeit, sich weiterzuentwickeln!

Daher freue ich mich sehr auf Visual Studio Code (VS) und einen neuen Designer und auf der Microsoft Dynamics 365 Business Central Plattform.

Dies sind nur ein paar Gründe, die (aus Sicht eines NAV Partners) für ein Upgrade auf Dynamics 365 Business Central sprechen. Würde ich alle positiven Argumente aufzählen, dann wäre dieser Artikel am Ende ein halber Roman und ich wäre in einer Woche noch nicht fertig – also beschränke ich mich auf die wichtigsten:

Bedeutung von Upgrades auf Microsoft Dynamics 365 Business Central

  • In Microsoft Dynamics 365 Business Central (D365BC) scheint die Outlook-Integration viel besser zu sein als bisher, da z.B. Verkaufs-Angebote und Verkaufs-Auftragsbestätigungen in Echtzeit mit D365BC kommunizieren können.
  • Der Designer ist eine Erweiterung hin zu Visual Studio Code in der Entwicklungssprache, damit steht einer Vielzahl von Softwareentwicklern in aller Welt künftig die NAV-Welt offen.
  • Es bestehen schon jetzt diverse API’s (aktuell 44), gegen diese können in einer Vielzahl von Entwicklungssprachen weitere Lösungen / Codes entwickelt werden.
  • Sie können jetzt in der Cloud in Sekundenschnelle upgraden und pro Tenant individuell Anpassungen vornehmen.
  • Anpassungen in D365BC werden als sog. Extensions bereitgestellt.
  • Diese Extensions können immer wieder „deployed“ (bereitgestellt) werden, d.h., Anpassungen, die mehrere Iterationen (Schleifen) erfordern, können problemlos miteinander kommunizieren.
  • Die individuellen Extensions (Anpassungen) sind einfacher zu erstellen als je zuvor. Öffnen Sie einfach einen laufenden Tenant in D365BC und klicken Sie auf den Button „Upload & Deploy“ Extension (ähnlich wie beim Upgraden von Apps auf Ihrem Smartphone).
  • Sog. Sandboxumgebungen können ohne Erweiterung direkt angepasst werden, was ein großer Vorteil für die eigentliche Software-Entwicklung und das „Testing“ in einer cloudbasierten Umgebung ist.
  • Und viele mehr…

 

Kurz gesagt:
Es handelt sich um ziemlich coole (z.T. sehr technische) Features – und das ist nur die Spitze des Eisbergs aller kommenden Weiterentwicklungen.

Akzeptieren und nehmen Sie die Veränderung an!

Die ganze Welt redet über neue Technologien und mögliche Veränderungen in der Zukunft – doch der Mensch geht gerne den einfachsten Weg und verändern tun sich die meisten ebenfalls ungerne. Doch hier gibt es keine schmerzfreie Alternative oder Abkürzung – wenn man jetzt den Anschluss verpasst, werden die Upgrades der Zukunft auch nicht günstiger.
Wenn Microsoft Copr. uns als Partner die Optionen liefert (z.B. Forms vs. Pages, C/AL vs. VC, Basiscode ändern vs. „aufrüstbaren“ Code schreiben), dann ist meine Empfehlung: Beißen Sie in den sauren Apfel – reißen Sie das Pflaster der Vergangenheit ab und gehen Sie so schnell es geht – gemeinsam mit uns und Microsoft Corp. – in die Zukunft. Die Zukunft stoppt leider nicht, nur weil sich der Mensch ungerne Veränderungen und einem Wandel stellt. Wenn Microsoft Corp. uns als Partnern die Optionen liefert, sollten wir den Optionen folgen, die auf die Zukunft ausgerichtet sind, und nicht mit etwas gehen, das uns an die Vergangenheit bindet. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass dies in nahezu allen Fällen die schlechtere Entscheidung war, die vielen Unternehmen und uns Partner nachträglich viel Geld gekostet hat.

In anderen Worten: Nehmen Sie die Veränderungen und Weiterentwicklungen an und freuen Sie sich auf VC, Extensions, Events, Trigger, API’s, KI/AI etc. – die neuen Entwicklungen sind ein wahres Geschenk und stimmen mich sehr zuversichtlich für die Zukunft unserer geliebten Navision Software.

Das sind meine Gedanken nach den spannenden Tagen während der Directions ASIA in Bangkok. Ich bin sehr gespannt, was und wie Sie über die Neuigkeiten denken und freue mich über Ihre Kommentare (aus der Partnersicht)!